Geschichte Cisarias
In den Jahrzehnten vor und nach dem Revolutionsjahr 1848 sind in den Städten mit den hohen Schulen Deutschlands die meisten der heute bestehenden Corps entstanden. So auch das Corps Cisaria.
Die gewaltigen Umbrüche der Zeit auf der politischen, wirtschaftlichen und technischen Bühne begünstigten die Bildung von akademischen Vereinigungen, die sich den fortschrittlichen Ideen demokratischer und menschlicher Selbstverpflichtung verbunden fühlten. Das Corps Cisaria wurde von einigen Studenten an der in Augsburg 1833 eingerichteten polytechnischen Schule am 15. März 1851 dortselbst gegründet. Dementsprechend waren die Gründer – allen voran Ritter von Bernatz – Studenten der Architektur, des Maschinenbaus, der Chemie usw., die später leitende Funktionen in der Wirtschaft einnahmen.
Die nicht problemlose Beziehung zum streng schulisch betriebenen Polytechnikums Augsburg führte bereits 1853 zum Umzug des Corps nach München. Vom ersten Sitz blieben jedoch das Wappen, die Farben des Bandes Rot-Weiß-Grün und der Name Cisaria, der auf eine keltische Schutzgottheit „Cisa“ hinweist.
Auch die polytechnische Schule München nahm das Corps nicht freudig auf. In der Universitätsstadt ließ sich aber in den nächsten Jahren das Verhältnis des Corps zu „seinem“ Polytechnikum beharrlich verbessern. So gründete Cisaria mit anderen den Allgemeinen Polytechnikerverband, der mit Erfolg für die Zusammenfassung der drei bayerischen Polytechniken München, Nürnberg und Augsburg eintrat. Cisaren waren wesentlich daran beteiligt, dass daraus die Technische Hochschule München, die heutige Technische Universität gebildet wurde und den ihr zustehenden akademischen Rang erhielt.
Von Anfang an traten dem Corps Cisaria nicht nur Studenten der technischen Fächer bei, sondern auch Studenten der Juristerei, Medizin, Forstwissenschaft und anderer Disziplinen an den Universitäten. Die bunte Mischung an Fachgebieten war stets eine wichtige Komponente im Leben unseres Corps. Sie wirkte sich nicht nur bei der Positionierung der Cisaria innerhalb der Corps und ihrer Verbände, sondern auch bei den beruflichen Erfolgen der einzelnen Mitglieder positiv aus. Besonders in den jeweiligen „Schlüsseltechnologien“, die die Zeit beherrschten, angefangen bei Geodäsie, Eisenbahnbau, Motorenentwicklung über die Luft- und Raumfahrt, Bauwesen und andere Disziplinen, hat das Corps hervorragende Vertreter vorzuweisen. Aber auch in vielen anderen Berufssparten haben Cisaren stets Großes geleistet. Unter den bisher insgesamt fast 1.200 Mitgliedern seit Gründung sind auch etliche herausragende Unternehmerpersönlichkeiten.
Im Laufe ihrer Geschichte erlitt Cisaria auch manche Einbrüche, die zeigen, dass die Strömungen des Zeitgeists auch in unser Corps hineinwirkten und weiterhin wirken. Immer aber blieben die Grundprinzipien der Freundschaft und der Treue in geistiger und politischer Freiheit des Einzelnen und in einem demokratisch gebildeten relativ überschaubaren Verband von wenigen hundert Corpsbrüdern des lebendigen Corps unangetastet. Das gilt für die Kriegszeiten ebenso wie für die unvorstellbaren Umbrüche nach dem ersten Weltkrieg, die finstere Nazizeit oder die „68-er“-Zeit.
In den frühen Jahren bestand das Corps naturgemäß vorwiegend aus jungen aktiven Studenten, die nach dem Studium den Beruf suchten. Erst mit den Jahren konnte parallel zu der „Aktivitas“ der Studenten eine Altherrenschaft entstehen. Diese stellt damals wie heute nicht nur das finanzielle Kontinuum dar, sondern gibt auch Beratung, Richtschnur und Ausgleich zwischen Alt und Jung. Am deutlichsten wird das sichtbar beim ständigen Quartier der Cisaria, dem Corpshaus am Platzl in München, das wir seit nunmehr 100 Jahren bewohnen.
