Corpsbruder von Brug
Der Begründer der Luftfahrt in Bayern
von Cbr. Günther Peetz
geboren am 15.6.1855 in Dirlewang/Mindelheim/Schwaben
gestorben am 25.4.1923 in Garmisch
akzeptiert bei Cisaria am 7.11.1873, geklammerte Charge xxx ,
philistriert am 23.5.1875, um das Tochtercorps Normannia zu gründen.
Karl Ignaz Maria Brug wurde am 15. Juni 1855 als Sohn des Bezirksarztes Carl Brug in Dirlewang nahe Mindelheim im Bayerischen Regierungsbezirk Schwaben geboren. Er absolvierte das Realgymnasium Augsburg und studierte im Anschluss daran Bauingenieurwesen an der polytechnischen Schule in München, der späteren Technischen Hochschule und heutigen Technischen Universität. Am Ende seines Studiums bestand er die ‚Vorprüfung für das Absolutorium der Ingenieur-Abteilung’. 1873 leistete er als ‚Einjährig-Freiwilliger’ seine Dienstzeit bei der Infanterie ab. Am 7.11.1873 wurde er bei Cisaria aktiv, am 19.6.1874 wurde er rezipiert. Er durfte das Amt des Sekretärs klammern und war außerdem Fuchsmajor. Als einer von fünf Corpsbrüdern wurde er am 23.5.1875 philistriert und gleichzeitig zur Gründung unseres Tochtercorps Normannia München freigestellt, wo er im Wintersemester 1875/76 das Amt des Sekretärs ausübte.
Ab seinem Eintritt als Leutnant der Pioniere in den aktiven Dienststand des Königlich-Bayerischen Ingenieurkorps im Jahr 1878 war das Leben Karl Brugs gekennzeichnet durch seine einzigartige militärische Karriere. Bereits im Alter von 24 Jahren ab dem Jahr 1879 (bis 1881) wurde ihm die verantwortliche Aufgabe als bauführender Offizier des Forts Orff der Festung Ingolstadt übertragen. Danach besuchte er bis 1884 die Kriegsakademie.
Mit der Luftfahrt, soweit sie überhaupt schon existierte, kam er bis dahin noch nicht in Berührung.
Beginn der Militärluftfahrt in Bayern
Ein erster kleiner Luftfahrtversuch in Bayern ereignete sich im Jahr 1802, also 19 Jahre nach der erfolgreichen Luftfahrtpremiere der Brüder Montgolfier 1783 in Paris, als zum erste Mal ein Freiballon in die Münchener Luft stieg.
Im Verlauf der nächsten 100 Jahre bemächtigte sich allmählich das Militär des Ballongedankens. So wurden im deutsch-französischen Krieg 1870/71 bei der Belagerung von Paris Gas- und Heißluftballone eingesetzt und im Jahr 1884 hatte Preußen ein sogenanntes Ballondétachement aufgestellt.
Da Freiballone extrem witterungsabhängig waren, benutzte man zunehmend auch Fesselballone als überhöhte Artillerie-Beobachtungsposten. Wegen ihres guten Überblicks waren diese für den Feind äußerst gefährlich und im ersten Weltkrieg wurde deshalb der Abschuss eines Fesselballons einem Flugzeugabschuss gleichgestellt. Aus einer solchen Situation heraus war es der Vater unseres Corpsbruders Greck, der als Artillerist sein Leben mit einem Fallschirmabsprung aus einer Ballongondel rettete.
In seiner Dissertation 1995 an der Universität München über ‚Die Königlich-Bayerische Fliegertruppe 1914-1918’ schrieb der Leiter des Luftwaffenmuseums der Bundeswehr in Berlin-Gatow, Major Dr. Harald Potempa, im Kapitel 2.2. ’Der Löwe geht in die Luft. Von den Anfängen bayerischer Militärluftfahrt bis zum Kriegsbeginn’ über Karl Brug, Premier-Lieutenant des Königlich Bayerischen 1. Pionierbataillons:
„Er wurde (von November 1885 bis August 1886) als bayerischer beauftragter Offizier zum preußischen Ballon-Détachement kommandiert, um das Königreich Bayern auf dem laufenden zu halten und so mitzuhelfen, eigene bayerische Entwicklungen vorzubereiten“.
Von Berlin aus unternahm Corpsbruder Brug am 10. Dezember 1885 und am 6. Mai 1886 mit den Militärballonen ‚Barbara’ und ‚Victoria’ wissenschaftliche Beobachtungsfahrten (eine davon bis in den Regierungsbezirk Frankfurt/Oder), über die er und sein Berliner Kommandeur, Major F.H. Buchholtz in der ‚Meteorologischen Zeitschrift’ von Mai und September 1886 berichteten.
Am 17.8.86 erhielt er über seine Berliner Zeit nachstehendes Qualifikationsattest, das in seiner Personalakte im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv in der Münchener Leonrodstraße Nr. 57, als Original aufbewahrt wird:
„Premier-Lieutenant Brug ist während seines achtmonatlichen Commandos zur Luftschiffer-Abteilung mit allen Arbeiten betreffs Anfertigung, Ausrüstung von Ballons und Ballon-Stationen bekannt gemacht, sowie in der Bedienung des gefesselten und ungefesselten Ballons unterwiesen. Bei vorzüglicher fachwissenschaftlicher Vorbildung hat sich Lieutenant Brug mit anerkennenswerthem Eifer und großem Fleiß so umfangreiche Kenntnisse in der Aeronautik erworben, daß er für jede Aufgabe auf diesem Gebiete qualificirt erscheint. Buchholtz, Major und Commandeur“.
Die Anerkennung Brugs als Fachmann in Bayern folgte unmittelbar. Er erhielt sofort nach seiner Rückkehr aus Berlin den Auftrag die Königlich Bayerische Luftschifferabteilung aufzubauen. Aufgrund des ausgezeichneten Ergebnisses wurde er drei Jahre später, also 1890, zum Hauptmann im Generalstab befördert. Potempa schreibt diesbezüglich in seiner Dissertation:
„So war es kein Wunder, dass er sehr schnell innerhalb der 1887 aufgestellten bayerischen Luftschifferabteilung aufstieg und 1890 zum ersten Führer der Luftschiffer-Lehrabteilung ernannt wurde. Standort war das Münchner Oberwiesenfeld, das heutige Olympia-Gelände“.
Brugs Engagement in der Zivilluftfahrt
Potempa führt dann über das bereits in diesen frühen Jahren der Luftfahrt zu erkennende zusätzliche zivile Engagement von Karl Brug weiter aus:„Hand in Hand mit der militärischen Nutzung der Luftfahrt in Deutschland ging die Geburt der Zivilluftfahrt, in den frühen Jahren speziell zu sportlichen und wissenschaftlichen Zwecken. 1889 schlug die Geburtsstunde des ‚Münchner Vereins für Luftschifffahrt' weitere Gründungen erfolgten in Augsburg und Nürnberg.
Ein bayerischer Offizier interessierte sich beruflich und privat besonders für die (Ballon-) Luftfahrt und engagierte sich stark in den bayerischen Vereinen: Karl Brug“.
Brug weckte das Interesse der Münchener durch seinen Aufsehen erregenden Aufstieg am 10.Juli 1889 mit dem Ballon ‚Herder’ vom Gaswerk Haidhausen aus, bei dem ihn der Premierlieutenant Kollmann und der Münchener Professor Vogel begleiteten. Obwohl erst der 21. November 1889 als Gründungstag des Vereins zu gelten hat, war im ersten Jahresbericht die Fahrt vom 10. Juli ganz offiziell als erste Vereinsfahrt registriert worden.
Eine weitere Fahrt wurde kurze Zeit danach durchgeführt mit dem Augsburger Hersteller des Ballons August Riedinger und einem Reserveleutnant im 2. Garde-Ulanen-Regiment Augsburg, Ingenieur Hans Bartsch von Sigsfeld, den er bei seinem Aufenthalt in Berlin kennen gelernt hatte. Das Ereignis wurde damals in einem eindrucksvollen Ölgemälde des Münchener Malers Theodor Pixis festgehalten unter dem Titel „Tausend Meter über München“. Das Bild zeigt die Ballonfahrer in ihrem Korb, Brug verwegen auf dem Rand des Korbs stehend, sich nur mit der linken Hand an einer der Tragleinen haltend und mit der rechten eine Fahne schwenkend, Riedinger mit Melone, davor v. Sigsfeld. Von Nordosten her gesehen sind weit unten auszumachen das Maximilianeum, die Praterinsel der Isar sowie die frühere Kohleninsel, der heutige Standort des Deutschen Museums, der damalige Isarkay (die heutige Steinsdorfstraße) und vom Dunst fast schon verborgen, schemenhaft im Hintergrund der Alte Peter und die Frauenkirche.
Das Gemälde aus dem Nachlass v. Sigsfelds befindet sich seit 2001 im Besitz des Deutschen Museums. Cisaria besitzt eine Reproduktion in Originalgröße, die im Kneipsaal des Corpshauses, München, Münzstraße 8 zu sehen ist; daneben sind zwei erklärende Tafeln aufgehängt mit einem kleinen Portrait v. Brugs als Generalmajor (1909) und einem beschreibenden Zitat des Malers selbst über das Zustandekommen des Gemäldes.
Das Ergebnis dieser Public-Relations-Aktivitäten war, dass sich bereits zur „Constituirung“ des Vereins am 21. November im Gründungslokal „Platzl“ mehr als 200 Luftfahrtbegeisterte schriftlich angemeldet hatten und danach zur ersten ordentlichen Vereins-Versammlung im Festsaal des Künstlerhauses 260 Mitglieder einfanden, darunter auch der spätere Kronprinz Rupprecht von Bayern und fünf weitere Wittelsbacher Prinzen (siehe Gero von Langsdorff in ‚Geflogene Vergangenheit’, Festschrift des Vereins zur Erhaltung der historischen Flugwerft Oberschleißheim, 2001). Bereits zur nächsten Vereinsversammlung musste für die nun mehr als 300 Mitglieder ein noch größerer Saal angemietet werden.
1891 wird Brug Mitherausgeber des ‚Jahresberichts des Münchener Vereins für Luftschiffahrt’. Dort erwähnte Dokumente ausgeführter Ballonfahrten, als eine der satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins, finden sich in den Sammlungen der Bibliothek des Deutschen Museums: eine Reihe von handschriftlichen Karten mit Diagrammen in Blaupausen. Es sind unter anderem Brugs Fahrten vom 20.6.1891 mit Prinz Leopold von Bayern und vom 23.6.1891 mit Prinz Arnulf von Bayern belegt. Beide Fahrten führten vom Oberwiesenfeld westwärts; die erste endete in der Nähe von Fürstenfeldbruck, die zweite 5 km südwestlich von Dachau.
Militärische Laufbahn und Auszeichnungen Brugs
Die weitere militärische Laufbahn v. Brugs spiegelt sich in folgenden Daten wider:
Seine Beförderung zum Major im Generalstab erfolgte am 20.10.1897 und zum Oberstleutnant am 28.10.1901. Im Jahr 1902 wurde er Chef des Generalstabs des 1. Bayerischen Armee-Korps und am 5.12.1903 folgte die Beförderung zum Oberst. Zu Neujahr 1904 wurde er mit dem Ritterkreuz des Königlichen Verdienstordens der Bayerischen Krone dekoriert und erhielt damit den persönlichen Adel verliehen: Oberst Karl Ritter von Brug. Am 11.9.1906 wird er zum Generalmajor befördert und im Jahr 1909 sodann zum Chef des Ingenieurkorps und Inspekteur der Festungen, dem auch die Pioniere, die Eisenbahn- und Telegraphentruppen sowie die Kraft- und Luftfahrtruppen unterstellt waren. Am 7.3.1910 wird er Generalleutnant.
Im Januar 1912 schuf General von Brug in München bei der ihm unterstellten Luftschiffer- und Kraftfahrabteilung, unter der Führung des zum Flieger ausgebildeten Rittmeisters Graf Wolfskeel vom 1.Schweren Reiter-Regiment das erste bayerische Fliegerkorps-Kommando. Es wurde am 1.4.1912 zu einer Fliegerkompanie ausgebaut, deren Standort Oberschleißheim war. Ein Jahr später wird diese Kompanie als selbständige Truppe zur Militärfliegerstation Oberschleißheim erweitert, aus der v. Brug dann am 1.10.1913 ein Fliegerbataillon bildete, das sich aus einer Fliegerkompanie und einer Fliegerschule zusammensetzte .
Im Jahr 1917 wurde die zahlenmäßig stark angewachsene Fliegertruppe von dem bis dahin mit ihr vereinten Kraftfahrwesen getrennt und einem Inspekteur des gesamten bayerischen Militärluftwesens (Major Stempel) unterstellt. Im Mai 1918 schuf man dann noch eine unmittelbare Verbindung zwischen der bayerischen und preußischen Jagdfliegerei, die den Kern einer selbständigen deutschen Luftwaffe unter einem Kommandierenden General der Luftstreitkräfte bildete. Die weitere Entwicklung des von General v. Brug geschaffenen ersten bayerischen Fliegerbataillons geht nicht mehr auf ihn zurück. Denn mit seiner Beförderung am 19.3.1914 zum General der Infanterie kehrte er in seine ursprüngliche Waffengattung zurück, in der er als Einjährig-Freiwilliger begann.
Reiche Auszeichnungen wurden unserem Corpsbruder v. Brug im Lauf seines Lebens zuteil:Im ersten Weltkriegs erhielt er das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse. Außerdem war er im Besitz des Großkreuzes des bayerischen Militärverdienstordens mit Schwertern, des Verdienstordens vom Heiligen Michael und zahlreicher preußischer, österreichischer und sonstiger ausländischer Orden. Nach seiner im April 1916 erfolgten Pensionierung wegen einer aus dem Frankreichfeldzug herrührenden Kriegsdienstbeschädigung an Herz und Lunge erhielt er auf Anordnung König Ludwigs III. von Bayern am 23.1.1917 zusätzlich das Flieger-Erinnerungsabzeichen verliehen.
Am 19. Februar 1918 fasste der Senat der Königlich Technischen Hochschule zu München auf Antrag der Fakultät für Allgemeine Wissenschaften den Beschluss, dem General Karl von Brug den Ehrendoktortitel der technischen Wissenschaften zu verleihen. Die Begründung lautet: „Dem Mitbegründer der Luftschifffahrt in Bayern, dem Förderer ihres wissenschaftlichen Ausbaus und erfolgreichen Sammler von Beweisstücken für ihre geschichtliche Entwicklung, dem unermüdlichen Organisator geologischer Arbeit im Feld und in der Heimat“.
Der Verlauf des ersten Weltkrieges bestätigte v. Brugs Meinung von der Überlegenheit der Flugzeuge gegenüber den Luftschiffen. Zu Beginn des Krieges stand die deutsche Artillerie fast ratlos der gedeckt stehenden französischen gegenüber. Ballonbeobachter und die leicht verwundbaren Luftschiffe konnten keine Abhilfe schaffen und so setzte man mit Funk ausgerüstete sogenannte ‚Artillerieflieger’ zur Erkundung ein. Um die fliegerischen Gegenmaßnahmen des Feindes zu bekämpfen, wurde notwendigerweise die Waffe ‚Jagdflieger’ geboren. Der Jagdflieger hatte die Luftüberlegenheit zu erringen, um dem vorstoßenden Artillerieflieger ein möglichst ungestörtes Arbeiten zu sichern. Die Bewaffnung der Jagdflieger war anfangs reine Privatangelegenheit und so mussten Leuchtkugelpistolen, mehrschüssige Automatik-Pistolen und Gewehre aller Art dazu herhalten. So erklärt sich auch die Möglichkeit unseres Corpsbruders, des damaligen Jagdfliegers und späteren Raketenpioniers Rudolf Nebel, sich als seine persönlichen Waffen Pulverraketen zu basteln. Sie bescherten ihm aber nach einigen erfolgreichen Feindabschüssen letztlich den nur mit viel Glück und schweren Brandwunden überlebten Selbstabschuss, als eine der Raketen noch vor dem Abfeuern unter seiner eigenen Tragfläche explodierte. Hierauf wurden ihm seine Versuche in dieser Richtung verboten.
Zivile Visionen und Aktivitäten Brugs
Bayern hatte den Aufbau seiner militärischen Ballonabteilung erst sechs Jahre nach der preußischen vollendet, übersprang dann aber aufgrund der oben angeführten Initiative Brugs die dortige Luftschiff-Phase und setzte sofort auf das Flugzeug. Dabei dachte Brug bereits weit über die militärischen Aufgaben hinaus: Er sah in einer eigenen bayerischen Fliegertruppe die Basis für die künftige Entwicklung des zivilen Flugwesens in Bayern. Wie realistisch seine zivilen Visionen waren, zeigte sich nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, als ab 1920 durch den Versailler Vertrag in Deutschland die Militärfliegerei praktisch verboten war und am 8.Mai die bayerische Fliegertruppe aufgelöst wurde.
Begleitet von großen Hoffnungen und Zukunfts-Erwartungen nahm statt dessen der zivile Luftverkehr in Deutschland einen deutlichen Aufschwung. Anfangs nutzten die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Luftfahrtgesellschaften umgebaute Militärflugzeuge, um Post oder Passagiere zu befördern. Da sie einzeln wirtschaftlich zu schwach waren, kam es bald zu einer Welle von Zusammenschlüssen, im Zuge derer auch, als eines von vielen Vorläuferunternehmen der 1926 gegründeten Deutschen Lufthansa AG, der ‚Bayerische Luft-Lloyd’ entstand. Schleißheim als einer der auf Veranlassung v. Brugs bestausgebauten Flughäfen Deutschlands wurde sein Standort. Auch die Udet Flugzeugbau GmbH siedelte sich dort an und später die Deutsche Verkehrsfliegerschule DVS. Schleißheim fungierte dabei zunehmend als Werftflugplatz, während die zunächst noch sehr primitive Abfertigung der Passagiere in den Baracken des stadtnäheren Flugplatzes Oberwiesenfeld erfolgte, dem früheren Standort der Bayerischen Luftschifferabteilung unseres Corpsbruders Brug. Anfang der 20er Jahre standen hier allerdings keine Hallen zur Verfügung, so dass man die Maschinen abends nach Oberschleißheim überführte, wo sie in den 1913 noch auf Veranlassung unseres Corpsbruders General von Brug errichteten großen Hallen sicher untergestellt werden konnten.
Als dann 1929 auf dem Oberwiesenfeld eine neu errichtete Flugzeughalle und ein modernes Abfertigungsgebäude in Betrieb genommen wurden, war die große Zeit Schleißheims als Flughafen zu Ende; es verblieben dort lediglich noch die den Luftverkehr im südbayerischen Raum kontrollierende Flugüberwachung Süd und bis 1934 eine Abteilung der Deutschen Verkehrsfliegerschule (Corpsbruder Hans Bertram erwarb während seines Studium 1927/28 dort die Kunstflugberechtigung als Voraussetzung für das angestrebte Berufsziel eines Flugkapitäns). Einige der alten Gebäude (historische Werfthalle, Tower, Schulungs- und Verwaltungsräume) bilden seit 1992 als ‚Flugwerft Schleißheim’ den Kern der Luftfahrt-Zweigstelle des Deutschen Museums.
Aber auch das Oberwiesenfeld wurde als Verkehrsflughafen bald darauf entthront, da 1939 der moderne Verkehrsflughafen München-Riem in Betrieb ging. Bis etwa 1964/65 blieb das Oberwiesenfeld noch die Heimat der Münchener Sportflieger, dann wurden Startbahn und Gebäude für den Bau des Olympiageländes abgerissen.
Karl von Brug genoss auch im Zivilleben hohe Anerkennung. Er war Mitglied in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften, im Repräsentationsausschuss des Bayerischen Automobilclubs, im Bayerischen Aeroclub und er hatte Kontakt zum Gründer des Deutschen Museums Oskar von Miller. Nachdem er diesen persönlich kennen gelernt hatte, einigte man sich mündlich und schriftlich über die geplante Schenkung der stattlichen ballonhistorischen Sammlung von Brugs. Auf Bitte Oskar von Millers wurden Corpsbruder von Brug, General Neureuther und der Münchener Professor Finsterwalder Mitglieder im (Lenkungs-)Ausschuss des Deutschen Museums, dem Vorläufer des heutigen Verwaltungsbeirats. Sie katalogisierten Brugs Dokumente und kennzeichneten sie in der vereinbarten Weise mit einem ovalen Stempel: ‚Sammlung des Oberst von Brug’. Dann konzipierten sie die erste Luftfahrtabteilung des Museums.
Anmerkung: Der Geheime Hofrat Prof. Dr. Finsterwalder war Korreferent für die 1912 eingereichte Dissertation unseres Corpsbruders Wieselsberger ‚Über die statische Längsstabilität der Drachenflugzeuge’.
Die Sammlung wurde dann später nicht lediglich als abgeschlossener Bestand betrachtet und eingefroren, sondern laufend weiter ergänzt. Das Deutsche Museum konnte hierfür Stifter mit großen Namen gewinnen, u.a. Kronprinz Rupprecht von Bayern und Ferdinand Graf Zeppelin.
Brugs Verdienste um seine Heimatgemeinde
Im Privatleben engagierte sich Karl Brug sehr stark für seine Heimatgemeinde Garmisch, die er ab 1891 als Wohnsitz für sich und seine Familie auserwählt hatte. So unterstützte er mit Rat und Tat den damals schon in voller Blüte stehenden Alpinismus, den er selbst mit Begeisterung betrieb. Dies geht aus den Urlaubsanträgen während seines Militärdienstes hervor, welche Bestandteil seiner Personalakte im bayerischen Kriegsarchiv sind: Die damals obligatorisch mit dem Urlaub verbundenen Gesuche für die Abwesenheit vom Garnisonsstandort lauteten mehrfach auf „Aufenthalt im Hochgebirge“, ohne Angabe einer genauen Urlaubsanschrift.
Auch förderte Brug den frühzeitig aufkommenden Wintersport- und Fremdenverkehrsgedanken im Werdenfelser Land und war begeisterter Pionier des auf dem Riessersee beginnenden Eislaufsports. Im Jahr 1914, also noch zu seinen Lebzeiten, ehrte die Gemeinde den General durch eine nach ihm benannte, noch heute existierende Straße. Aus dem Markt-Archiv von Garmisch ist dazu folgendes zu entnehmen:
„Die von-Brug- und die Hindenburgstraße bzw. ihre Vorläufer waren seit mindestens 1815 die offizielle und einzige Verbindung der Orte Garmisch und Partenkirchen. Der bayerische General der Infanterie, Dr.-Ing. h.c. Excellenz Carl Ritter von Brug siedelte sich 1891 in Garmisch an, nachdem er sich schon Jahre zuvor hier zur Sommerfrische mit seiner Familie aufgehalten hatte. Er bewohnte die ‚Villa Maria’ auf einem Grundstück, das vom Richard-Strauß-Platz bis über den Bahndamm hinaus reichte. Heute ist das Areal parzelliert und mehrfach bebaut bis auf den Minigolf-Platz, der noch den alten Baumbestand des von-Brug’schen Besitzes enthält. Von Anfang an unterhielt von Brug sehr gute Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung. Er galt als leutselig und kinderfreundlich.
Als der neue Bahnhof gebaut wurde (eröffnet 1912), benötigte man erhebliche Teile seines Grundstücks, um die heutige Chamonixstraße anzulegen. Auch die alte Bahnhofstraße (heute: von-Brug-Straße) musste verbreitert werden. Der General zeigte sich sehr großzügig: er schenkte der Gemeinde die erforderlichen Grundstücksteile! Ihm zu Ehren benannte man 1914 die frühere Bahnhofstraße in ‚von-Brug-Straße’ um.
Von Brug hatte sich frühzeitig um die aufstrebende Entwicklung des Marktes Garmisch verdient gemacht. So hatte er sich beim Bau der Staatsbahn Garmisch – Griesen persönlich dafür eingesetzt, dass zusätzlich zum Bahnhof Untergrainau die Haltestelle Obergrainau errichtet wurde. Diese war damals für die wirtschaftliche Erschließung von Hammersbach und Grainau von großem Gewicht.
Bald hatte von Brug auch die Bedeutung des Werdenfelser Landes als Winter-Erholungsgebiet erkannt. Schon vor seinem Zuzug nach Garmisch verbrachte er mit seiner Familie auch im Winter seinen Urlaub hier – sehr zur Verwunderung seines Bekanntenkreises, in dem man sich die Frage stellte: Wie kann man nur im Winter in die Berge fahren?
Am 27. April 1923 meldeten die ‚Münchner Neueste Nachrichten’ in ihrer Ausgabe Nr.13, dass am 25. 4. 1923 in Garmisch General Karl von Brug „als letzter Friedens-Chef des Bayerischen Ingenieurkorps“ verstorben ist. Die repräsentative Gruft der Familie von Brug ist noch auf dem Friedhof in Garmisch zu finden. Sechs Jahre nach v. Brugs Tod zeichnete der Chronist Richard Euringer, ein ehemaliger Fliegeroffizier, in seinem Buch über die Fliegerschule 4, die früher unserem Corpsbruder v. Brug unterstand, in kräftigen Konturen das Bild seiner markanten Persönlichkeit:
„....Er bereist die Fliegerschulen. Ich seh’ ihn im mächtigen Generalsmantel das Zeiss-Glas vor der breiten Brust, mit seinen hellblauen Gletscheraugen und dem von Sonne und guten Tropfen dunkelrot gebeizten Gesicht, den Schnauzbart grimmig gesträubt. Ob er zuhört? Oder ob er mit wehendem Umhang vorausmarschiert, wütend aber nicht ungerecht? Er ist im Leben schon weiter marschiert – stürmisch voran, er, der alte Infanterist, der Jäger und Kraxler...., Seine Excellenz, der Herr Korps-Chef, Inspecteur aller irgendwie technischen Truppen, Urerzvater der Luftballonfahrer, Kegelklub-‚Spezi’ Seiner Majestät König Ludwig III. von Bayern, General der Infanterie, Dr.-Ing. honoris causa, Karl von Brug, Sieger von Manonviller und Vater der Flieger !“
Luftfahrthistorisch betrachtet ist Karl von Brug wohl unser bedeutendster Corpsbruder.
